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von GrisGris
13.05.2017 15:40
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: DSA5 Verkaufszahlen: Mutmaßungen & Co
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Re: DSA5 Verkaufszahlen: Mutmaßungen & Co

Sumaro
Ich picke mir nur mal das raus, da ich finde, dass hier ein Fehlschluss vorliegt. Schaut man sich die Abenteuer an, wollen die alle richtig großes. In der Theaterritter-Kampagne gibt es Meisterinformationen: Drachenreiter, befreite Riesen, ein Heer des Namenlose, eine Massenvernichtungswaffe der Goblins, eine Erwählte des Kor, uralte, machtvolle Feenwesenund einiges mehr, genug um das Epiko-Meter durch die Decke zu jagen. Nur wird es eben nicht eingebunden. Es wird nicht in den Kontext gesetzt. Niemand wundert sich über Wunderwaffen aus der alten Zeit oder über Personen, die Monster abrichten. Was in "Mit wehenden Bannern" eine gewaltige Besonderheit war (eine Kriegsfürstin mit an sich gebundenem Drachen) ist in der Theaterritter-Kampagne "ganz normal", es gibt sogar einen Haufen halbstarker Zwergensöldner, die "Drachenkampftaktiken" freimütig beibringen (auch hier wieder keine Relation zur Spielwelt, zur Historie, zu nichts).

Niobaras Vermächtnis, was soll denn da kommen von der berühmtesten Schülerin Rohals? Anscheinend nur spannende Soduko, aber Erkenntnisse offenbar nicht. Man will groß, man baut klein und leider ohne Kontext. Das finde ich ja so bedauerlich.
Ich besitze die Abenteuer nicht und habe deshalb von Kurbeschreibungen auf weniger Relevantes geschlossen - daher das Missverständnis. Insofern hat mich die Aufzählung die Theaterritterkampagne betreffend ins Staunen versetzt.

Bezüglich Niobaras Vermächtnis: wäre wohl stimmig gewesen den ganzen Plot eine Stufe runter zu setzen. Von dem, was du hier beschreibst, hätte man ja eine historisch angesehene, bisher nicht genannte Tochter Niobaras als Anlehnung für den Plot nehmen können.
Da wird es dann allerdings mit dem Titel holprig. Denn so, wie er vorliegt, suggeriert er dann mehr, als er bietet (eben kein direkter Bezug zu Niobara, wobei der Titel per se nicht Fehl am Platz wäre - ich könnte in dem Fall nur bereits die kritischen Aussagen vor meinem geistigen Auge lesen).
Ich muss dir insofern zustimmen, dass klein zu bauen bei der wohl begnadetsten Sternkundlerin und Zahlenmystikerin und eine der bedeutendsten Prophetinnen der Historie wohl den Nagel auf dem Kopf verfehlt. Passenderweise wird sich aber ein DSA-Neuzugang daran nicht stören, jemand, dem Niobaras historische Rolle in der Fantasywelt über jene Fantasywelt über Jahre herangetragen wurde, eben schon.

Zumindest aber auf einer Ebene darf man den "The next big Thing"-Aspekt schon gemildert sehen: in den Auswirkungen. Da entsteht dann aber zugegebenermaßen eine Kluft zwischen dem womit man so an epischen Dingen oder Begriffen aufwartet und dem was dann daraus wird...

Das Ganze kann man natürlich durchaus stimmig umsetzen: wenn ein Namenlosenheer im Orkland aufmarschiert und 10.000 Orks das Leben kostet, mag das innerorkisch ein Großereignis und gesamtheitlich auch sein, die Wahrnehmung desselben für das übrige Aventurien aber nicht mal recht bemerkbar.
Wenn ich dann aber "Weltzerstörungswaffe" und "Namenlosenheer" lese und für Aventurien als Ganzes ein Außer-heiße-Luft-nix-gewesen-Gefühl hinterlasse, bleibt da zugegebenermaßen ein überaus fahler Nachgeschmack...

Interessanterweise lässt man dann eine Stadt wie Tiefhusen in einem profanen, aber durchaus interessant ausgestaltbaren Ränkespiel der lokalen Mächte als Randnotiz den Erdboden gleich machen. Na ja - vielleicht macht sich ja noch ein Schreiberling aus den Reihen der Fans daran daraus was zu machen, wobei meine Enttäuschung da wohl aus meinem starken svelltschen und orkischen Fokus herrührt.
von GrisGris
12.05.2017 15:24
Forum: Rollenspiel & Spielwelten
Thema: DSA5 Verkaufszahlen: Mutmaßungen & Co
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Re: DSA5 Verkaufszahlen: Mutmaßungen & Co

Puh - das war viel zu lesen, bis ich auf den aktuellen Stand gekommen bin. Zuerst einmal finde ich es bewundernswert, wie viel Reflektion und Diplomatie in diesem Beitrag zu finden sind.

1.) "The lady doth protest too much, methinks.": Die Vorgehensweise sich die Zeit zu nehmen Punkte bei DSA5 zu kritisieren und danach die Gleichgültigkeitskarte zu ziehen, scheint mir wenig überzeugend. Ich muss dabei an eine Arbeitskollegin denken, die, wenn sie Sachen wahrnimmt, die sie stört, während einer Schicht fünf Mal erwähnt wie egal ihr diese Sache nicht sei. Wäre wirklich eine Gleichgültigkeit da, gäbe es keine Reaktion, wobei ich hier keine bewusste Lüge unterstellen will. Es ist einfach so, dass die Selbstwahrnehmung nicht immer zutreffend ist. Da klingt einiges an Verbitterung, Resignation und/oder Enttäuschung mit, die man sich anhand des unangenehmen Sachverhalts und der Ohnmacht diesem gegenüber nicht eingestehen mag. Mag sein, dass ich damit falsch liege und da zu viel reininterpretiere, aber ich wollte es mal ansprechen ohne damit provozieren zu wollen.

2.) Der Autor: Wie der Autor mit Kritik umgeht, ist seine Sache. Aushalten muss er sie meiner Meinung nach nur in dem Maße, dass er trotz derselben weiterschreibt und sie konstruktiv umzusetzen versucht. Er muss nicht darauf eingehen. Nicht einmal in Form von "er hat womöglich recht, ich schaue, dass ich es besser mache", denn ob er versucht aus weniger oder mehr konstruktiver Kritik etwas Nützliches abzuleiten, liegt an ihm. Ob es in der Verfeinerung seines Handwerks nützlich ist, ist eine andere Frage. Der Erfolg oder das Erfolgserlebnis gibt ihm recht und das muss nicht einmal kommerzieller oder prestigeträchtiger Erfolg sein, sondern einfach mal ein Gewinn. Und das kann vom Festhalten der eigenen Emotionen in einem Tagebuch, das niemals jemand außer mir lesen wird, bis zum Bestsellerroman mit enormen Verkaufszahlen ein breites Feld abdecken, und der Autor darf sich mit jedem Zwischenschritt gut fühlen, einfach weil er kreativ tätig war. Es hängt halt damit zusammen was er als Gewinn definiert.

Aber zugegebenermaßen: sehr relativierende Darstellung. Im Idealfall wird der Autor selbst nicht konstruktiver Kritik versuchen einen für ihn fruchtbaren Ansatz oder Punkte derselben Natur herauszufiltern. Es gibt kommerziell sehr erfolgreiche Bücher, die mit enormen Negativkritiken konfrontiert sind (Fifty Shades of Grey beispielsweise) - ebenso wie es literarische Perlen gibt, deren wirklichen Wert eine Hand voll erfahrener Literaten wirklich erfassen und einige mehr erahnen können. Es geht eben auch darum was der Autor erreichen will und wie wichtig ihm die Reaktion des Publikums ist.
Ein guter Autor steht nicht in der Pflicht sich mit Kritik auseinanderzusetzen, und viele guten Autoren fehlt wohl auch die nötige rhetorische Schlagfertigkeit - oder im Allgemeinen Kompetenz gut mit Kritikern umzugehen. Während das Schreiben eines Textes ein sehr intimer Prozess ist, ist der Umgang mit einem Kritiker im schlimmsten Fall eine sehr unschöne Angelegenheit mit viel Eskalationsrisiko, die ganz andere Fähigkeiten verlangen kann, als das Verfassen eines Textes. Insofern halte ich es sogar für sinnvoll für den Verlag, dass DSA-Autoren nicht in Foren zu ihren Werken Stellung nehmen, denn die sogenannte Todesspirale aus der Gastronomie entfaltet hier noch konsequenter ihre Wirksamkeit. Diese besagt, dass negative Kritik (vor allem berechtigt) schnell weite Wellen schlagen kann:
Wenn ich als Kellner jemanden anschnauze, erzählt der Betroffene es vier Freunden, diese geben es an mehrere Personen weiter und so weiter. Im Internet sind solche Fehltritte sogar für alle mitzubekommen und verewigt und somit kann die Spirale ihr Potential wesentlich länger entfalten.
Dabei kann der Auslöser eines solchen Fehltritts einfach ein schlechter Tag sein und ein Festhalten eines solchen dann das Einnehmen und Festhalten eines unangemessenen emotionalen Standpunkts (bei dem Kellnerbeispiel für die Dauer des Bedienens, beim Forenbeispiel bis die Diskussion ein Ende findet).
Im Allgemeinen will ich jedem - freilich zwanglos, der sich im Feld der diplomatischen Rhetorik betätigt, die Hebammenkunst Sokrates' nahelegen und in weiterer Folge der Technik des sokratischen Gesprächs - eine gute Aufarbeitung desselben bietet das Reclamheft "Das Sokratische Gespräch".
Eine Frage am Rande: gibt es eigentlich innerhalb der DSA-Autorenschaft Ermutigung zu Weiterbildung in Form von gegenseitiger, produktiver Kritik via Skype, oder vielleicht sogar Weiterbildungen zum Thema dramaturgischer Aufbau, kreatives Schreiben und dergleichen? Ich fände es für den Verlag ratsam. Und das soll nicht auf die Qualität der Schreiber hindeuten. Ich fände es für jeden Verlag ratsam, selbst wenn sein Output noch so gut wäre. Es hilft neue Erfahrungen zu sammeln, alte zu festigen, aufzufrischen oder frisch zu halten.

3.) Der DSA Plot: Auch wenn die DSA5 Publikationen scheinbar nicht mit Stilblüten glänzt, mag es doch hilfreich sein sich manche Aspekte ins Bewusstsein zu rufen. Wir hatten in DSA eine Weile ein Hetzen von einem "The next big Thing" zum nächsten. Ich begrüße daher prinzipiell eine Rückkehr zu simpleren, weniger weltbewegenden Abenteuerkonzepten. Dabei dürfte nur die Zerstörung Arivors wirklich etwas Größeres während DSA5 gewesen sein. Denn, wenn ich es verabsäume im Kleinen dramaturgisch das zu säen, was später aufgegriffen werden soll, und nicht die Ruhe vor dem Sturm habe, wirkt schnell einmal ein pathetisches Großereignis wenig packend und klobig konstruiert.

Wo ich allerdings recht geben muss, ist, dass es Fingerspitzengefühl erfordert simplere Plots gewinnbringend an den Mann zu bringen (vielleicht sogar mehr als bei Großereignissen). Und ich denke genau darin glänzt "Staub und Sterne". Ich vergleiche hierbei mit dem Film "The Warrior", der vor so vielen Klischees und Stereotypen eines Films seines Genres strotzt und dabei so linear vorgeht, dass es wenig wahrscheinlich wirkt, dass er gut ist. Aber ihm gelingt das Kunststück durch gute Vermittlung und Inszenierung der Stereotypen.
Ich will nicht anzweifeln, dass es ausreichend Raum für Verbesserungen in den Abenteuerpublikationen von DSA5 gibt, aber erstens ist es stets einfacher zu kritisieren, als zu schaffen (denn in letzterem Fall fällt nur das Negative ins Aug - es bedarf eines Kenners, um Positives, aber Grundlegendes in einem Kunstwerk zu schätzen - man denke an Kostüme, Schnitt, Licht oder dergleichen im Film - weil sie im Idealfall hinter dem subtilen Gefühl des Funktionierens verschwinden) und zweitens hat die Proportion des Impacts auf die Welt damit wenig zu tun. Ob es weltbewegend ist, oder nicht ist nebensächlich und ich halte es sogar für förderlich Weltbewegendes mal bewusst auszuklammern, wobei dies natürlich durchaus die Fragestellung evoziert - warum dann Arivor niedermachen und warum Niobara ins Feld führen? Aber ich würde mich als Verlag hüten in einer Vorbereitungsphase weitere Entwicklungen allzu vorhersehbar zu gestalten oder diese gar explizit zu nennen. Dadurch ist dann schnell die Luft draußen. Ich würde mich gleichsam aber auch vor Aussagen hüten, die suggerieren man wäre planlos.

4.) Um die verschiedenen Projekte DSA betreffend besser vermitteln und vernetzen zu können, wäre es ratsam füreinander zu werben. Vor allem Orkenspalter und das offizielle DSA erreichen über Facebook und YouTube zumindest meiner Ansicht nach eine Bandbreite von Leuten, die Nandurion, das Wiki oder Foren weniger aktiv besuchen oder neu zu DSA stoßen.
Wirklich hilfreich wäre vielleicht sogar ein YouTube-Video, das einen Überblick über verschiedene aktive (und vielleicht auch inaktive) DSA-Projekte präsentiert und auch nahelegt wo die Vorteile der verschiedenen "Formate" liegt und wo man sich mit welchem Aufwand einbringen kann und wie. Vielleicht noch eine Warnung, dass man sich nicht zu viele Steckenpferde gleichzeitig suchen sollte und solche Einwürfe wie "Nandurion freut sich über jedes eurer Kommentare".
Den Link zu diesem Video immer wieder mal oder permanent präsent irgendwo auf den jeweiligen Plattformen anbringen und man vernetzt zumindest potentiell auch gleich Mal Neuzugänge, wo immer das Internet sie auch hinführt.
Man könnte sogar zwei Videos machen - ein knappes, das weiterführend auf ein längeres verweist, das vielleicht auch objektive Einschätzungen zu den jeweiligen Standpunkten und dergleichen zulässt, wie zum Beispiel "im Ulisses-Forum trifft man vermehrt auf Freunde und Entdecker der DSA5-Edition, während im DSA-Forum die Liebhaber der 4er Edition überwiegen und euch mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber es sind in beiden Kenner aller bisherigen Systeme vertreten - also schaut in beide rein" oder so ähnlich. Vielleicht noch einen Hinweis, dass man sich von Gegenwind nicht entmutigen lassen soll oder dergleichen. Oder ein zusätzliches Video, das mir zeigt, wie ich in der Wiki aktiv teilnehmen kann.
Tipp jetzt ja nur auf Freude komm raus vor mir hin. Wenn man sich hinsetzt und gemeinsam daran arbeitet (Skype lässt grüßen), könnte daraus wirklich was Nützliches werden.

LG,

Leo