Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

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Märzhäsin
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Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

Beitrag von Märzhäsin » 08.02.2018 22:10

Hallo liebe Community,

ich habe lange darüber nachgedacht ob ich die Frage hier stellen soll aber weil viele von euch mir in der Vergangenheit mit ihren guten Ideen weiter geholfen haben würde ich es trotzdem gerne versuchen.

Es geht darum dass ich merke dass ich Schwierigkeiten mit der Darstellung bekomme wenn ich versuche ein Charakterkonzept darzustellen bei der es sich um jemanden handelt der über niedrige Werte in Gesellschaftstalenten verfügt oder bei dem Etikette nicht einmal aktiviert wurde, der aber gleichzeitig absolut nicht dumm und primitiv ist (Klugheit 12, Garethi 15, Kusliker Zeichen 7, Rechnen 7, Geografie 10).

Ich hatte mir für die Verhaltensweise eigentlich Snufkin aus den Romanen von Tove Jansson als Inspiration und Orientierung ausgesucht, musste aber leider feststellen dass dies so nicht wirklich funktioniert.

Weil Snufkin sehr freiheitsliebend ist, Autoritäten ablehnt und nach dem Motto lebt "Jeder darf von mir aus machen was er will so lange er mich nicht nervt und mir keine Befehle erteilt" eckt mein Charaktere sehr stark bei Adligen an weil er ihnen nicht den Respekt, die Ehrfurcht und die Autoritätsgläubigkeit entgegenbringt die sich diese von ihm wünschen.

Er beruft sich immer darauf der freie Bürger einer Stadt zu sein und kein Unfreier oder Leibeigener und gesteht Adligen keine Befehlsgewalt und keine Weisungsbefugnis zu wenn diese etwas von ihm verlangen.

Es ist nicht so dass mein Charakter auf irgend eine Weise gegen Gesetze verstoßen würde oder kriminell wäre, es ist eine rein passive Ablehnung von Autoritäten.

Der Charakter wurde in Lowangen geboren und bei den wortkargen, raubeinigen, mürrischen und firungefälligen Svelltländern bekommt er da wenige Probleme mit seinem Lebensmotto aber innerhalb von Feudalgesellschaften wie dem Mittelreich oder Nostria bekommt er mit seinem Verhalten logischerweise Probleme.

Ich hoffe dass ihr vielleicht Ideen habt wie man das Konzept entschärfen könnte, rein von den Charakterwerten funktioniert der Charakter gut, es ist nur der Fluff der nicht richtig funktioniert.

Mir fällt es auch schwer die richtige Balance in der Ausdrucksweise zu finden damit es nicht zu gestelzt und vornehm klingt aber trotzdem nicht zu bäuerlich und primitiv, denn er ist ja schließlich nicht dumm.

Und wenn sich einige von Euch nun die Frage stellen warum ich denn überhaupt so jemanden spiele kann ich dazu nur sagen dass die deutliche Mehrheit meiner Charaktere alle einen hohen Sozialstatus haben, sehr hohe Talentwerte in Gesellschaftstalenten und sich so gewählt und vornehm ausdrücken wie Gräfinnen zur Zeit der Renaissance, ich möchte nicht immer das gleiche Konzept mit minimalen Abwandlungen spielen, ich mochte mein Raubein eigentlich immer aber leider verursacht mein Raubein mir Kummer.

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Farmelon
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Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

Beitrag von Farmelon » 08.02.2018 22:38

Wenn der Charakter nicht dumm ist, oder genügend Lebenserfahrung hat, sollte er wissen das man bei der herrschenden Klasse oder andere Autoritäten nicht aneckt. Im Mittelreich macht man keine Adeligen blöd an und sagt ihnen was man über sie denkt, im orkisch besetzen Gebiet macht man die herrschende Kaste nicht blöd an, in Südaventurien macht man Granden nicht blöd an, in Fasar nicht die Erhabenen, man wirft einem Praiosgeweihten in Greifenfurt nicht an den Kopf das man seinen Gott verabscheut weil er den Adel stützt und so weiter.
Man kann freiheitsliebend sein und darauf hinweisen das wer auch immer keine direkte Befehlsperson über einen ist, aber man haut denen verbal keine runter. Das gibt immer ärger.

DSA ist nicht die reale Welt, bis auf Ausnahmen gibt es keine Demokratie und die meisten Leute einer Region und Kultur finden es gut so wie es läuft. Zumindest der überwiegende Teil welcher genügend Einfluss und Macht hat das es sich nicht ändert. Mit Mächtigen legt man sich nicht direkt an wenn es nicht unbedingt sein muss, wenn man nicht mit dem Echo umgehen kann. Also klappe halten und mal was runterschlucken, ist besser für die Gesundheit. Das weiß man auch ohne Etikette.

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RoiFirdayon
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Beitrag von RoiFirdayon » 09.02.2018 11:12

Ich sehe in dem Konzept kein Problem. Der Nachteil "autoritätsgläubig" - bezogen auf DSA 4.0/ 4.1 - kann ja nicht umsonst gewählt werden. Und gerade unter den SC sind Chars, die Autoritäten ablehnen, nicht eben selten. Man sollte allerdings dann damit rechnen, dass man hier und da aneckt, Ärger hat oder auf die Fr ... bekommt - bis man eben merkt, mit wem man sich besser nicht anlegen sollte. Im Übrigen sind auch die Svelltaler mit ihren Erfahrungen nicht frei von Autoritäten. Abgesehen von den Orks sind da noch Stadtherren und so weiter, und wer sich mit ihnen anlegt, weiß um die Konsequenzen. Will sagen, ein Char aus dem Svelltland wird nicht deswegen mittelreichische Adlige angehen, nur weil es bei ihm wenig Adlige gibt, die mehr zu sagen haben als andere. Und dass ein Svelltaler nicht wissen sollte, dass "nebenan" Adlige die nominelle Macht innehaben, halte ich für ausgeschlossen. Wer da dann die Grenzen des schlechten Tons überschreitet, darf sich nicht wundern, wenn er mindestens vor den Kadi gezerrt wird, von den Bestrafungsmaßnahmen im Bornland mal ganz zu schweigen ...

Man kann also ein Großmaul spielen, muss dann aber mit den Konsequenzen leben. Innerhalb der Gruppe mag der Char noch weniger Gegenwehr haben als im Verhältnis zu den NSC, aber selbst das hängt davon ab, wie intensiv der adlige SC gespielt wird. Wie @Farmelon schon gesagt hat, DSA ist eben nicht die mitteleuropäisch-demokratische Welt von heute.

Da ich außerdem die FAB ein bisschen verfolgt habe: Die Probleme da sind vorrangig nicht deswegen entstanden, weil ein nicht adliger SC gegenüber einem adligen SC das Maul aufgemacht hat, sondern das hatte ganz offensichtlich andere Gründe.

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AngeliAter
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Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

Beitrag von AngeliAter » 09.02.2018 12:43

Schaust du dir die Serie "Games of Throne" an?
Falls ja, dann wäre der Bluthund Sandor Clegae sicherlich ein passendes Vorbild, klug genug um so ziemlich alles zu überleben aber auch so verdammt grob das man ihn eigentlich eine Zeit lang tot sehen wollte.
"Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden."
Christopher Hitchens

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Beitrag von Märzhäsin » 09.02.2018 19:53

AngeliAter hat geschrieben:
09.02.2018 12:43
Schaust du dir die Serie "Games of Throne" an?
Falls ja, dann wäre der Bluthund Sandor Clegae sicherlich ein passendes Vorbild
Ich kenne die Serie bisher leider nur von Erzählungen aber ich werde mir einige Folgen anschauen um zu sehen ob Sandor ein besseres Vorbild für mein Raubein ist als Snufkin. Vielen Dank für den Tipp.

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Beitrag von WeZwanzig » 09.02.2018 21:46

Etikette nicht aktiviert heißt ja erstmal nur, dass er die genauen Umgangsformen, die von ihm erwartet werden, nicht von sich aus kennt. Wenn er aber klug ist, dann wird er sich dessen bewusst sein und versuchen (möglichst unauffällig) herauszufinden, wie er sich zu benehmen hat. Wenn man gerade gemeinsam beim Bankett sitzt, dann wartet er vielleicht kurz und beobachtet seine Tischnachbarn, wie sie ihr Essen zu sich nehmen, bevor er selber das passende Besteck in die Hand nimmt. Oder er hört zu, wie seine Freunde den Baron ansprechen und wird dann auch das "Euer Hochgeboren" nachplappern. Dabei kann es natürlich zu Missgeschicken kommen, etwa wenn er sich mit zwei Magiern unterhält, die sich gegenseitig mit "Collega" anreden. Wenn er dann selber "Collega" statt "Hochgelehrter Herr" nutzt, dann ist er halt ins Fettnäpfchen getreten.

Wichtig ist, dass er dabei bei jeder Situation aufs neue Überlegen muss, wie er sich zu verhalten hat. Wenn er irgendwann anfängt Muster zu erkennen und auch mal von sich aus die richtige Anrede findet, dann ist es an dir, das Talent langsam zu aktivieren und zu steigern.
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Borbarad-Moskito
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Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

Beitrag von Borbarad-Moskito » 09.02.2018 22:29

Sehe grundsätzlich auch kein Problem bei einem solchen Charakter, in der Tat verfügt er gar über eine im Mittelalter recht gängige Ansicht ("Stadtluft macht frei"). Ich würde den Charakter ohne Etikette jetzt vielleicht nicht in eine horasische Gesellschaftskampagne mitnehmen, aber ansonsten kann man so ein Konzept in der klassischen Heldenkampagne doch gut spielen.

Wenn du ihn entschärfen willst: Verpass' ihm doch einen Feind, oder Gesucht I, weil er mal einen Adeligen blöd angemacht und bloßgestellt hat. In entsprechenden Situationen kann er sich dann daran erinnern (Frei nach dem Motto: "Oh Moment, Baron Alrik fand das damals nicht so gut, als ich ihm meine Meinung über Autoritäten aufgedrückt habe...") und posaunt dann nicht einfach seine Ansichten raus.

Wenn du eh meinst, er lehnt Autorität eher passiv ab, dann würde ich versuchen, mit ihm entsprechende Situationen zu vermeiden, oder in selbigen einfach mal zu schweigen. Der Char verfügt ja auch über nicht wenig Intelligenz und Bildung, ihm sollte ohnehin bewusst sein, dass im Zweifelsfall überleben/ungeschoren davonkommen über die Mitteilung seiner Meinung geht. Alles andere würde ich über eine Prinzipientreue ablaufen lassen, denn für die Äußerung der Ansichten schwerwiegende Konsequenzen in Kauf zu nehmen, ist meines Erachtens nicht weit von Tugenden Geweihter entfernt. :)

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vanDyck
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Beitrag von vanDyck » 10.02.2018 13:02

Grundsätzlich ist ein Charakter der in Gesellschaftformen nicht so firm ist bzw. davon keine Ahnung nicht so das Problem. In der Gruppe lässt man halt den mit Ahnung reden und hält sich bedeckt. Ist ja nicht so das dein Charakter Bukanier ist mit Weltfremd (Obrigkeit) oder so ähnlich und als vermeintlicher "Hinterwäldler" bekommt man meist etwas Nachsicht. Vor allem wer öfters mit Thorwalern zu tun bekommt (die duzen ja eh alles) ist da vermutlich schon einiges gewohnt. Wenn natürlich der eitle Horasier mit krankhaftem Ehrgefühl daherkommt könnte es natürlich interessant werden..., aber welcher Held eckt nicht hin und wieder an. Selbst mein horascher adeliger (SO 11) Stabsfähnrich schreibt regelmäßig Beschwerdebriefe ans nächste Konsulat wenn er mal wieder nicht standesgemäß behandlet worden ist, das wars dann aber auch, ist eh hoffungslos mit den ganzen Barbaren da draußen....^^
Ich würde mir halt gut überlegen wir er in gewissen Situationen regiert wenn er mit Autoritätspersonen konfrontiert wird, besonders auch wenn jene das Recht haben dir Anweisungen zu erteilen. Kriminell soll er ja auch nicht werden, hält man sich dann murrend an die Anweisung, diskutiert man (ohne überreden etc. schwer), versucht man sich zu entziehen oder sucht man den Konflikt?
Je nach dem könnten sich ein paar Punkte ich Rechtkunde lohnen damit man weiß wie weit man gehen darf bzw. sollte bevor es echt unangenehm wird, oder doch ein wenig Menschenkenntnis damit ich erkennen kann wie weit ich noch gehen darf. Ist eigentlich eh ne Schande eine Sprache so gut zu beherrschen und sie dann nicht als "Waffe" verwenden zu können...^^ Ich tu mich immer sehr schwer Charaktere zu spielen die nicht zumindest rudimentäre Fähigkeiten in Überrden zu haben. Ich spiel einfach zu gern mit Sprache.

Faras Damion
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Darstellungsprobleme und Kompatiblitätsprobleme von Raubeinen mit niedriger Ettikette

Beitrag von Faras Damion » 16.02.2018 12:56

Ich kenne die Figur leider nicht.

Ich würde die Ausprägung sehr davon abhängig machen, wie sie in die Geschichte passt.

Wie würde eine zeitgenössige Romanfigur, die keine Polizei anerkennt und keine Steuern zahlen will, ankommen? Das wäre in New York deutlich anders als auf einer abgelegen Farm im mittleren Westen. Beides können aber interessante Geschichten ergeben.

Genauso sehe ich es in Aventurien. Es gibt Regionen, in dem seine Weltanschauungen überhaupt kein Problem sind und sogar von vielen geteilt werden, z.B. Svelltal oder Thorwal. Und es gibt Regionen, in denen das arg gegen die Grundsätze von 99% der Bevölkerung verstößt und die Weltanschauung als gefährlich erachtet wird.

Des weiteren würde ich mir überlegen, wie viel Raum diese Anschauungen nehmen sollen. Man kann locker eine ganze Kampagne darum spielen, aber wenn ihr vorgefertigte Abenteuer "runter"spielen wolt, stört es.

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass niedrige Gesellschaftstalente halt bedeuten, dass die Figur Menschen schlecht einschätzen kann, sie schlecht von etwas überzeugen kann und Schwierigkeiten mit üblichen Gepflogenheiten hat. Da nützt hohe Klugheit nicht gegen.

Ein paar Ideen:
- Spielt in abgelegenen Regionen, vielleicht möchte er seiner Gruppe ja seine Heimat zeigen.
- Lass ihn mit den Ideen der Braniborier in Kontakt kommen (Adel hat auch Pflichten).
- Steigere die Gesellschaftstalente und lasse ihn erkennen, wann er sich in Schwierigkeiten bringt und wen er mit welchen Argumenten überzeugen kann, ihn in Ruhe zu lassen.
- Lass ihn Firun-Akoluth werden, damit er etwas geschützt ist.

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