Neue Zugangsregelungen für Phexens Hallen: viewtopic.php?f=8&t=47023

 

 

 

immer ein Massaker?

Erfahrungen, Tipps, Vorlieben, Probleme, Fragen zu RPG-Systemen und RPG-Theorie.
Assaltaro
Moderator
Moderator
Posts in diesem Topic: 9
Beiträge: 6066
Registriert: 19.01.2014 11:49
Wohnort: Regensburg
Geschlecht:

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Assaltaro » 30.03.2017 14:11

Mir ist bewusst, dass sie oft anecken wird, wobei ich auch Kaufabenteuer kennen in denen man für die Gewaltfreie Lösung belohnt wird bzw. diese vorgesehen ist (z.b. Feenflügel)
Allerdings eckt man normalerweise mit allen Extremen an, manche wirkten aber tatsächlich überrascht, dass die anderen eingriffen als er die bereits gefesselten Räuber foltern wollte.

In Gruppen die sich schon auf die Stirn schreiben "Wir sind so böse" spiele ich erst gar nicht mit und ich hab jetzt auch schon von einigen gehört, dass das nach kurzer Zeit langweilig wird.
75% Method Actor, 71% Storyteller, ..., 17% Power Gamer

Benutzeravatar
Mithrandir
Posts in diesem Topic: 6
Beiträge: 1674
Registriert: 30.11.2003 11:59
Wohnort: Norderstedt

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Mithrandir » 30.03.2017 14:14

Das ist ja unbesehen :)
Es "klang" nur so, als wären alle, die auch "mal" etwas "direkt totschlagen" direkt "wir sind so böse, wir foltern alles tot!!!" Leute. Und das sind zwei absolut verschiedene Spielstile und -gruppierungen

Benutzeravatar
Cherrie
Posts in diesem Topic: 4
Beiträge: 3173
Registriert: 04.02.2015 17:52

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Cherrie » 30.03.2017 19:57

Noch mal zurück zu meinem Topic :)

Eigentlich ging es mir nicht darum zu hinterfragen, warum Leute böse Chars spielen oder welche Abgründe sich da auftun, auch wenn dies eine absolut spannende Thematik ist! Ehrlich! :)

Es ging mir darum in den Raum zu werfen, warum Chars OHNE NACHZUDENKEN ob er Gegenüber vielleicht gar nicht böse bzw. "der Feind" ist, einfach draufknüppeln.

Da steht jemand, der einen schwarzen Mantel trägt. Es kann der Nachtwächter sein, der Familienvater der von der Spätschicht heim kommt, der coole Junge von Nebenan, der schwarze Mäntel einfach mal geil findet. Egal. Die Helden kommen, sehen einen "Mann mit schwarzem Mantel" und schlagen ihn tot. Ende.

Oder: Würde eine Heldengruppe auf eine andere treffen, würden sie sich vermutlich sofort erschlagen. Gefährlich aussehende Typen, bewaffnet, an einem Ort der eh seltsam ist (wo sich Helden halt so rumtreiben) und voller Testosteron. Da gibt´s keine Fragen, kein Zögern. Man sieht die andere Gruppe, erklärt sie als "Feind" und schlägt in bester Meuchler-Hinterhalt-Manier zu.

Leider wird dies von den SL die ich in diversen Foren erleben konnte auch "belohnt", die Helden lagen bisher IMMER richtig. Ja, die anderen waren IMMER die Bösen. Aber es hätte ganz anders sein können. Hätte, hätte, Nahrungskette, ich weiß. Irgendwie warte ich sehnsüchtig darauf, dass die Helden wenigstens EIN MAL den falschen niedermetzeln und dafür so richtig auf den Zahn kriegen...
Den normalerweise machen sie nichts anderes als Mord. Dank den SL trifft es (leider) immer die Richtigen.

Mir kommt es oft so vor, als spielt man ein PC-Spiel. Man klickt auf den Gegenüber (linke Maustaste, die einzige Interaktionstaste die es gibt) und der Char zieht wahlweise das Schwert oder geht in den "Rede-Modus" über. Oft ist der Gegenüber zum Glück auch farblich markiert. Roter Rahmen = Feind, weiß oder blau "Freund oder Neutral, kein Kampf möglich".
Die Spieler denken nicht mehr selbst. Man nimmt es ihnen ab. Wird schon schiefgehen..

Assaltaro
Moderator
Moderator
Posts in diesem Topic: 9
Beiträge: 6066
Registriert: 19.01.2014 11:49
Wohnort: Regensburg
Geschlecht:

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Assaltaro » 30.03.2017 20:07

Ich denke eher, dass einige in einem Hobby nicht mehr darüber nachdenken wollen wer "gut" und wer "böse" ist, immerhin muss man das in der Realität oft genug.

Ich stimme dir aber zu, dass man das öfter hinterfragen sollte. Vermutlich sind aber auch die meisten Meister zu faul falsche Fährten oder ähnliches zu legen. Mord wäre es wirklich nur, wenn die falschen erwischt werden. Banditen sind vogelfrei und dürfen erschlagen werden, also sind in dem Fall die Helden noch im Recht, aber wenn sie sich mal irren siehts übel aus.

Den Vergleich mit dem PC-Spiel hatte ich auch schon mal, besonders wenn Neueinsteiger auch anfangen den Toten die Kleidung auszuziehen mit dem kommentar "Vielleicht kann man das noch brauchen oder verkaufen"
75% Method Actor, 71% Storyteller, ..., 17% Power Gamer

Benutzeravatar
Mithrandir
Posts in diesem Topic: 6
Beiträge: 1674
Registriert: 30.11.2003 11:59
Wohnort: Norderstedt

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Mithrandir » 30.03.2017 20:23

@Cherrie:

Das "Problem", meiner Meinung nach ist, das du die Frage durchaus suggestiv gestellt hast, und den Eindruck erwecktest, das "Im Wald Räuber einfach erschlagen" schon ausreicht, um ein "böser Charakter" zu sein :) Nur, wie auch schon gesagt, Räuber sind einfach vogelfrei, selbst wenn sie einen Grund haben, warum sie zu Räubern wurden. Das, was wir in unserem heutigen Moral- und in Europa auch Justizsystem für gut, wichtig und richtig halten "gilt" in einem mittelalterlicheren Setting und/oder einem mit seelenfressenden Dämonenmonstern und -paktierern eben nur begrenzt.

Benutzeravatar
Cherrie
Posts in diesem Topic: 4
Beiträge: 3173
Registriert: 04.02.2015 17:52

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Cherrie » 30.03.2017 20:29

@Mithrandir: Es geht mir weniger um das Erschlagen von "echten Räubern" als das Erschlagen von "Leuten, die man evtl. für Räuber hält, die aber auch alles andere sein könnten". :)

Benutzeravatar
Mithrandir
Posts in diesem Topic: 6
Beiträge: 1674
Registriert: 30.11.2003 11:59
Wohnort: Norderstedt

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Mithrandir » 30.03.2017 21:19

Da kommt es meiner Erfahrung nach halt auf einige Faktoren an:

Wie wurde die Szenerie vom SL beschrieben. (Der SL beschreibt ja Fakten, keine Meinungen, für gewöhnlich) und "Wie gut ging es das letzte Mal aus, als man nett war". Ich kenne einige Runden, das tatsächlich eher in Shadowrunsettings aber, die durchaus extrem brutal und mit deutlichem Tötungswillen alles umgenietet haben...aber das waren oft Runden, wo jeder laufengelassene später zu richtig harten "Jemand will dich umbringen" oder "Deine Kontakte wurden gekillt" Szenarien führten. Wo "die Welt" einen also fürs Laufenlassen oder Hinterfragen "bestraft" hat.

Benutzeravatar
Twix
Posts in diesem Topic: 3
Beiträge: 1701
Registriert: 02.10.2012 07:12
Wohnort: Bochum

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Twix » 30.03.2017 21:59

Also mal ein aktuelles Erlebnis aus meiner DSA Runde. (von eigenen Gnaden)

In der Nachbarschaft lebt die von mir angelegte "böse" Schwarzmagierin TM.
Sie herrscht als Kriegsherrin in der Nachbarbaronie mit Herrschaftsmagie, hat sich gewaltsam an die Macht geputscht gegen die eigentliche adlige Erbin, proklamiert offen die Herrschaft der Fähigen (Magier), beim kleinsten Anzeichen von Illoyalität kriegt sie nen Wutanfall und wirft mit Herrscahftsmagie um sich und sie hat nen Schädel auf ihren Zauberstab (ihr erster Mann der sie betrog (so genau haben die Spieler da aber nicht nachgefragt)....
Ach ja. Sie ist natürlich vogelfrei mit sehr hohen Kopfgeld.


Nach deiner These Cherrie. Augen zu und drauf mit Gewalt? Gell?

Meine Gruppe, speziell ein Spieler, hat jetzt so viel Verständnis für sie, dass er sie sogar heiraten will (selbsterklärter aufrechter reichstreuer Weißmagier (eigentlich Graumagier) der die ganze Zeit per Lippenbekenntnis die "Finsternis" TM bekämpfen will)


Warum will er sie nun heiraten?
Um es kurz zu machen: Sie sieht gut aus....
(Ich hatte ein Bild genommen, welches dem Spieler gefallen hatte)

Die lange Version ist etwas komplizierter und hat auch viel mit der erschaffenen
Spielwelt, den Plänen des Magiers, einen Retterkomplex und der Darstellung der Dame zu tun.

Also. Wenn Spieler*innen mit weniger Gewalt vorgehen sollen.
Gebt den Begegnungen ein Gesicht.
Wenn es dann noch gut aussieht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der vermeintliche Räuber gar geheiratet wird.

Namenloser Gegner x interessiert niemanden. Den kann man natürlich gefahrlos töten.
Das lehrt uns die Popkultur. (in der gesichtlose Minions (gerne mit Masken) zu dutzenden getötet werden aber beim Endgegner und Oberbösewicht mit Gesicht tauchen auf einmal Gewissensbisse des Helden auf.)
Zuletzt geändert von Twix am 30.03.2017 22:10, insgesamt 2-mal geändert.

Assaltaro
Moderator
Moderator
Posts in diesem Topic: 9
Beiträge: 6066
Registriert: 19.01.2014 11:49
Wohnort: Regensburg
Geschlecht:

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Assaltaro » 30.03.2017 22:04

Ich glaube nicht dass das so oft vorkommt. Jemanden nur wegen seines Aussehens heiraten zu wollen ist ziemlich oberflächlich.
75% Method Actor, 71% Storyteller, ..., 17% Power Gamer

Benutzeravatar
Twix
Posts in diesem Topic: 3
Beiträge: 1701
Registriert: 02.10.2012 07:12
Wohnort: Bochum

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Twix » 30.03.2017 22:08

wie gesagt, war die einfache Erklärung. Das Aussehen war aber die Basis für alles weitere was sich danach ergab.

Jadoran
Supporter
Supporter
Posts in diesem Topic: 3
Beiträge: 5600
Registriert: 14.11.2014 10:06

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Jadoran » 31.03.2017 08:42

@Cherrie: Ich kenne das Problem, aber es ist vorrangig Meistergemacht. Die Spieler bekommen sehr viel weniger Informationen über die Umwelt als die Helden es täten. Haltung, Gesichtsausdruck etc.
Aber wie der Mensch so ist, er nimmt die Informationen, die er hat, und trifft auf ihrer Basis eine Entscheidung. Und wenn das bisher zu guten Ergebnissen geführt hat, dann erst recht.
Wenn den Spielern bewußt werden soll, dass sie zu wenig Informationen haben, dann schildere die andere Seite auch ambivalent. Bei Twix Beispiel wurde ein Bild gezeigt, und die junge Dame auf dem Bild sah offenbar für den Spieler nicht aus, wie eine Böse(tm), sondern offenbar recht verführerisch und symphatisch. Dazu kommt: Die meisten Männer sind von klein auf darauf konditioniert, dass man Mädchen nicht haut (was bei einem Bild erinnerlich wird), und im Film sind die wirklich gut aussehenden Bösewichtinnen meist nur ein Gespräch weit von einem Heel-Face-Turn entfernt.

Benutzeravatar
hexe
Posts in diesem Topic: 3
Beiträge: 2218
Registriert: 13.04.2005 11:57
Wohnort: Rashdul
Geschlecht:

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von hexe » 31.03.2017 13:02

Ich kann nichts Neues schreiben als schon im letzten Beitrag. Das Problem gibt es bei uns nicht, auch in den wenigen Forenabenteuern oder hin und wieder auf Cons, fragen die meisten schon nach, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt.

Ich nutze Rollenspiel dazu gerade mit Geschlechter-Rollen, Hollywood-Klischees, klassischer Plotentwicklung, blabla, etc endlich aufzuräumen. Raus aus dem Köpfen damit, es lebe die Vielfalt. Ich hab noch keinen Spieler erlebt, das das doof fand. Es wurde begrüßt. Die Jungs waren genauso glücklich endlich mal nicht der 'Duke Nukem' sein zu 'müssen' oder was auch immer die Gesellschaft von ihnen erwartet, sondern einfach nur ein Mensch - zufällig männlich.

Sobald eine Bühne bereit stellt, wird sie auch genutzt. Das Hingehen, umhauen wird den meisten schnell zu langweilig, wenn sie merken, dass es da noch 23.174.101.237 andere Möglichkeiten gibt.

shanna
Posts in diesem Topic: 1

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von shanna » 31.03.2017 15:02

Da kann ich Hexe nur zustimmen :) das versuche ich auch gerade zu tun, auch wenn es OOC die ein oder andere Diskussion über die Chars auslöst :censored:

Benutzeravatar
Vistella
Posts in diesem Topic: 1
Beiträge: 751
Registriert: 05.02.2006 10:34
Wohnort: Würzburg
Kontaktdaten:

Re: immer ein Massaker?

Beitrag von Vistella » 31.03.2017 17:04

Cherrie hat geschrieben:Noch mal zurück zu meinem Topic :)

Eigentlich ging es mir nicht darum zu hinterfragen, warum Leute böse Chars spielen oder welche Abgründe sich da auftun, auch wenn dies eine absolut spannende Thematik ist! Ehrlich! :)

Es ging mir darum in den Raum zu werfen, warum Chars OHNE NACHZUDENKEN ob er Gegenüber vielleicht gar nicht böse bzw. "der Feind" ist, einfach draufknüppeln.
hab ich so noch nie erlebt, ist also definitiv nichts, was man einfach so verallgemeinern darf

Antworten