'Gender'-Diskussion

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Talron
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Beitrag von Talron » 10.01.2018 15:23

@Madalena
Auf das Thema bezogen: Gleichbehandlung vor dem Gesetz ist ein Prinzip, aber kein unausweichliches Dogma.
Gleichbehandlung vor dem Gesetz ist ein Prinzip, aber kein unausweichliches Dogma. Damit ergibt sich die Möglichkeit, hiervon in begründeten Fällen abzuweichen, z.B. wenn man dadurch Chancengleichheit herstellen kann. Natürlich nur wenn man dies für gerechtfertigt hält (im deutschen Verfassungsrecht setzt man an dieser Stelle eine Verhältnismäßigkeitsprüfung, politisch ist es eine simple Frage der Prioritäten bzw. eine Kosten-Nutzen-Frage).
Bist du dir da wirklich sicher? Wenn ich durch eine einfache Prüfung der Verhältnismäßigkeit mal eben Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat außer Kraft setzen kann...Du redest hier von Artikel 3 der Verfassung. Das ist pikanterweise auch jener in dem die Sache mit Gleichheit von Mann und Frau steht... Fällt mir persönlich jetzt sehr schwer das zu glauben...

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Madalena
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Beitrag von Madalena » 10.01.2018 15:43

Talron hat geschrieben:
10.01.2018 15:23
Bist du dir da wirklich sicher? Wenn ich durch eine einfache Prüfung der Verhältnismäßigkeit mal eben Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat außer Kraft setzen kann...Du redest hier von Artikel 3 der Verfassung. Das ist pikanterweise auch jener in dem die Sache mit Gleichheit von Mann und Frau steht... Fällt mir persönlich jetzt sehr schwer das zu glauben...
Das ist schon ein paar Jährchen her dass ich das an der Uni hatte, aber wenn ich es richtig im Kopf hab geht das wenn Grundrecht gegen Grundrecht steht (was wie du selbst festgestellt hast ja der Fall ist - und Absatz (2) sagt m.E. ziemlich klar dass Gleichberechtigung nicht bloß de jure zu verstehen ist).

Trotzdem steht es den Kritikern natürlich frei, im jeweiligen Fall (z.B. bei der Frauenquote) die Verfassungskonfirmität in Frage zu stellen. Das wäre dann im Zweifel in Karlsruhe zu klären.

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sagista
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Beitrag von sagista » 11.01.2018 18:31

Nur Frauen dürfen Gleichstellungsbeauftragte werden

Ich halte die Begründung für durchaus plausibel, finde aber, dass dies einer gewissen Komik nicht entbehrt :lol:

Andwari
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Beitrag von Andwari » 11.01.2018 19:12

Was wäre, wenn diese - aufgrund der restlichen Beschreibung wohl sehr passende - Person sich jetzt einem Geschlechterdualismus verweigern und sich als Angriffshubschrauber wahrnehmen würde?

Pikant finde ich in dem Zusammenhang, dass hier in einem Job, der wohl überwiegend gender Themen bearbeiten soll - also genau Diskriminierungen aufgrund von zugeschriebenen Rollen usw. eine Zugangsbeschränkung aufgrund sex gilt.

Eulenspiegel
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Beitrag von Eulenspiegel » 11.01.2018 19:21

Keiner glaubt, dass ein Staat, der "Demokratie" im Namen hat, demokratisch ist.
Ebensowenig geht es bei einem Job, der "Gleichstellung" im Namen hat, um Gleichstellung.

Ehrlicher wäre es, wenn sie Frauenbeauftragte geschrieben hätten.

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Madalena
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Beitrag von Madalena » 11.01.2018 19:41

Andwari hat geschrieben:
11.01.2018 19:12
Was wäre, wenn diese - aufgrund der restlichen Beschreibung wohl sehr passende - Person sich jetzt einem Geschlechterdualismus verweigern und sich als Angriffshubschrauber wahrnehmen würde?
Dann wäre sie vor dem Gesetz trotzdem männlich.

Ich kann die Regelung, ebenso wie die Kritik daran, verstehen. Aber warum das weibliche Geschlecht "unverzichtbare Voraussetzung" sei würde mich dennoch im Detail interessieren. Klingt für mich so als seien Teile des Aufgabengebietes für einen Mann unmöglich zu erfüllen.

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Beitrag von Talron » 11.01.2018 22:02

@@Eulenspiegel
Tja, wäre wohl ehrlich gewesen. Ich halte das wieder für Fälle der Art: „Solange es nicht zum Verfassungsgericht kommt...."


@Madalena
So wenig ernst das von Andwari auch gemeint ist, so schwierig wird es, wenn man da wirklich verfassungskonform bleiben möchte.
Denn faktisch würde der Gesetzgeber damit ja sagen, dass Transsexuelle einfach einen Sparren haben. Ob das so wirklich mit Artikel 2 GG vereinbar ist, weiß ich nicht.

Einer der (vielen) Gründe warum ich es für generell nicht sonderlich schlau halten für das "gute Ziel" gegen Grundrechte zu verstoßen. Wenn man sich einmal außerhalb bewegt, neigt man dazu auch andere zu verletzen oder verletzen zu müssen.

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Beitrag von Madalena » 11.01.2018 22:33

Talron hat geschrieben:
11.01.2018 22:02
@Madalena
So wenig ernst das von Andwari auch gemeint ist, so schwierig wird es, wenn man da wirklich verfassungskonform bleiben möchte.
Denn faktisch würde der Gesetzgeber damit ja sagen, dass Transsexuelle einfach einen Sparren haben. Ob das so wirklich mit Artikel 2 GG vereinbar ist, weiß ich nicht.
Nein, Transsexuelle können ihr legales Geschlecht ändern (dass dieses Verfahren dringend überarbeitet werden müsste steht auf einem anderen Blatt).

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Beitrag von Rhonda Eilwind » 12.01.2018 11:44

Auf die Gefahr hin, irgendwann für wahlloses Link-Posten abgewatscht zu werden:

Das hier ist ein Artikel, der irgendwie zum Thema zu gehören scheint... aber in mir genau das auslöst, was bisher sehr viele Quellen zum Thema in mir ausgelöst haben. Ich lese ihn, erkenne die Sprache als Deutsch, verstehe auch die einzelnen Worte - aber der Sinn erschließ sich mir auch nach dem zweiten Lesen nur maximal rudimentär.

Aber vielleicht ist es ja etwas für einige von euch:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/sachb ... -1.3821264

Ich persönlich habe schon nicht verstanden, ob der Kritiker das Buch nun gut oder schlecht findet (abgesehen davon, dass er wohl meint, es wäre zu sehr auf das Umfeld europäischer Universitäten bezogen - also ansonsten etwas lebensfremd?).

Wenn mir da nochmal jemand auf die Sprünge helfen könnte...
Zuletzt geändert von Rhonda Eilwind am 12.01.2018 12:29, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Madalena » 12.01.2018 12:17

Für mich ist das die schwammige Zusammenfassung eines als schwammig kritisierten Buches. Ich kann da auch nur wenig mit anfangen.

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Beitrag von sagista » 12.01.2018 13:05

Für mich klingt das so, als würde der Autor der Rezension die Grundaussage des Buches, die ich auf Basis des Artikels mit "Seid nicht so mimosenhaft mit der Sprache, sondern geht die wahren Probleme an" interpretiere, kritisieren. Was er nun genau daran kritisiert erschließt sich mir allerdings auch nicht auf Anhieb.

Hier eine deutlich kürzere Rezension, die einem deutlicher macht, worauf das Buch hinaus will.

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Beitrag von Der Wanderer » 13.01.2018 17:17

Eulenspiegel hat geschrieben:
11.01.2018 19:21
Ehrlicher wäre es, wenn sie Frauenbeauftragte geschrieben hätten.
Das denke ich auch. Dann macht das "Frausein" als Grundvoraussetzung auch irgendwie Sinn. Ich vermute, dabei geht es darum, dass man als authentischer Ansprechpartner für Frauen wahrgenommen werden soll. Das ist ja tatsächlich ein Problem, auch wenn grundsätzlich ein Mann das ebenso gut könnte. (Viele Frauen gehen ja auch zu einem männlichen Gynakologen. Aber manche fühlen sich da eben auch unwohl.)

Also dann eben "Frauenbeauftragter". Aber wenn es als Gleichstellungsbeauftragter definiert ist und der Job eben ganz generell darum geht, Benachteiligungen zu verhindern etc. pp., dann halte ich es für einen groben Fehler, da Männer auszuschließen. Gerade in Sachen Gender-Thematik. Meine Fresse.
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