Flüchtlingsthread

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Leta
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Flüchtlingsthread

Beitrag von Leta » 18.07.2015 19:47

[mod]Das Thema entstand hier![/mod]
Heute hab ich die erste Wohnung im Haus ausgesaugt und Fenster geputzt. :lol: *jippy* es geht dem Ende zu.

Außerdem hab ich ein doofes "not-in-my-backyard" Problem :censored:

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Talasha
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Talasha » 18.07.2015 19:54

Leta hat geschrieben: Außerdem hab ich ein doofes "not-in-my-backyard" Problem :censored:
Was für eines?
Sir Isaac Newton ist der tödlichste Bastard im ganzen Weltraum!

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Leta » 18.07.2015 20:35

Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Farmelon » 18.07.2015 20:59

Leta hat geschrieben:Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:
Mir ist vorhin was ähnliches passiert.
Bei mir in der Gegend gibt es einen REWE wo sich schon länger öfters mal rumänische Bettler hinstellen, oder auch von einer anderen Bettlermafia, so dass da immer mal wieder andere sind die kaum oder kein deutsch können aber prominent bei den Einkaufswagen stehen oder sitzen.

Jetzt stand da ein Farbiger, da hab ich auch erst einmal stutzen müssen als mir klar wurde das der saubere Klamotten an hatte, keinen Geldbecher und vor allem keine Obdachlosenzeitung, da der da nur auf jemanden gewartet hat der im REWE eingekauft hat. Erfahrung prägt und wir alle denken in Schubladen, manchmal stolpert man da eben über sich selber. :oops:

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von myrkur » 18.07.2015 21:07

Leta hat geschrieben:Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:
Würde mich ehrlich gesagt auch stören, weil ich Angst vor dem Pack hätte.

...dem Pack, dass dann vielleicht aufkreuzt um im weniger schlimmen Fall zu demonstrieren und im schlimmeren Fall Brände zu stiften.

Ist doch schonmal löblich, dass du den Abwehrreflex erkennst und als problematisch einstufst. Damit bist du vermutlich einen großen Schritt weiter als Andere.

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Grinder » 18.07.2015 22:05

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Berto
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Berto » 18.07.2015 22:26

myrkur hat geschrieben:...dem Pack, dass dann vielleicht aufkreuzt um im weniger schlimmen Fall zu demonstrieren und im schlimmeren Fall Brände zu stiften.
Kann man auch sportlich sehen: Zum Steinewerfen müsste man dann nur noch ein Fenster öffnen oder im schlimmsten Falle ein paar Meter vor die Tür gehen. :censored:
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Djembo » 18.07.2015 22:41

Keine 400 m von unserem Haus entfernt wurden gerade Häuser für Flüchtlinge gebaut. Das sind, wenn ich mich recht erinnere, 32 Wohnungen in denen entsprechend bis zu 32 Familien unter kommen können. Die Häuser sind keine Blöcke sondern einzeln stehende dreistöckige Gebäude mit Spitzdach. Das Ganze wird, wie schon abzusehen ist, nicht häßlich, es liegt in einer auch dann nicht allzu dicht bebauten Gegend und es sind "nur" 32 Familien, also mit großer Sicherheit nicht mehr als 180 Menschen.
Damit kann ich völlig problemlos leben.
In einer anderen Ecke unserer Stadt sollten in einer eh schon dicht bebauten Gegend auf der letzten verbiebenen Wiese Blöcke für um die 600 Leute entstehen. Da kann ich verstehen, dass die Anwohner nicht begeistert waren.
Es ist immer eine Frage, wie die Sache gemacht wird und in welchen Dimensionen. In diese Häuser mit 32 Wohnungen kommt eine vernünftige Anzahl an Menschen in den Stadtteil, die Kapazitäten unseres Jugendzentrums und der Kirche und der Moschee und des Nachbarschaftstreffs sind groß genug, dass man auch mal zusammen mit diesen Leuten ein Straßenfest machen kann und dass die Sääle und Veranstaltungen nicht aus allen Nähten platzen. Die, die schon da sind, werden bisher gut aufgenommen und bringen sich auch selbst aktiv in das Stadtteilleben ein, auf dem jährlichen Fest auf dem Kirchplatz gab es endlich mal nicht nur Bratwurst, sondern auch ziemlich leckere syrische und afrikanische Köstlichkeiten, im JuZe macht einer von denen einen Trommelkurs und eine der Frauen bietet Bauchtanz an. Es funktioniert, aber ich bin sehr sicher, dass es nur funktioniert, weil es eben nur ein bis zweihundert Menschen sind und nicht 600 und weil wir eine aktive Kirchengemeinde haben, die auch auf die Leute zugeht und sie einlädt.
Und trotzdem gab es auch bei uns Asoziale, die versucht haben diese Häuser im Bau anzuzünden.
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von sagista » 19.07.2015 03:41

Leta hat geschrieben:Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:
Die Frage ist doch, was dich genau stört.
Stört es dich, weil du Muslime und/oder Menschen aus Afrika nicht in deiner Nähe haben willst?
Das denke ich mal, so wie ich dich bislang hier im Forum erlebt habe, eher nicht.

Oder hast du Sorgen, dass da möglicherweise Leute dabei sind, die Schlechtes im Schilde führen oder die aufgrund erlittender Traumatisierungen möglicherweise unberechenbar sind?

Ich sage es mal so, nur weil man Sorgen hat, "was kommt auf mich zu?" ist man sicherlich kein Rassist. Es ist eine erhebliche Veränderung des Wohnumfelds und Veränderungen verunsichern die meisten Menschen.

Das Schaubild, das Grinder gepostet hat, mag auf einen nicht zu unterschätzenden Teil der Bürger zutreffen. Die aggressive Rethorik auf Demonstrationen und natürlich der dramatische Anstieg auf Flüchtlingsheime, seien sie nun unbewohnt oder bereits bewohnt - müssen aufschrecken lassen.

Aber ich habe Verständnis für Menschen, die nicht jubeln, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Flüchtlingsheim errichtet werden sollen, sondern sich Sorgen machen. Sorgen! Einfach weil man nicht weiß, was auf einen zukommt. Das heißt nicht, dass man Flüchtlingen erhöhte Deliquenz unterstellt. Sondern die Ungewissheit, was sind das für Menschen?

Aber eines muss ganz klar sein, es gibt keine Rechtfertigung für Agressivität gegen Flüchtlinge. Es beschämt mich im höchsten Maße, wenn ich hören und sehen muss, dass Menschen, die zu uns kommen, weil sie vor Krieg und Terror flüchten mussten, hier angefeindnet oder gar attackiert werden. Das ist vollkommen inakzeptabel.

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Alecto » 19.07.2015 07:55

Das Thema "Flüchtlinge" wird uns in Zukunft sicher noch sehr beschäftigen - sowohl im Privaten wie auch auf Ebene deutscher/europäischer Politik. Praktisch keiner von uns wird sich dem entziehen können. Bis vor ca einem Jahr hätte ich auch nicht gedacht daß mich das sehr direkt betreffen könnte, dann wurde in der Nähe einige größere Flüchtlingscamps bzw Unterkünfte errichtet. Schon alleine in der Arbeit machen die Flüchtlinge mittlerweile einen ziemlich großen Anteil unserer Patientenschaft aus. Die Probleme bei denen ich im Speziellen ins Spiel komme umfassen Gewalt (meistens verhauen sich die Flüchtlinge gegenseitig, rechte Gewalt ist die Ausnahme) und chronische Erkrankungen. Zudem werde ich sehr gerne bei fraglichen Tropenkrankheiten konsultiert - Die Weiterbildung macht sich in anderer Hinsicht als ursprünglich gedacht bezahlt. In vielerlei Hinsicht standen wir Problemen gegenüber auf die wir überhaupt nicht eingerichtet waren und wurden damit weitgehend alleinegelassen. Ein Teil ist gelöst, aber ich bin mir sicher es stehen uns noch viele weitere bevor.

@topic: Habe gerade das Szenario unserer Battletech-Schlacht an die Beteiligten versandt. ICh bin mal auf das Echo gespannt.
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Leta » 19.07.2015 10:33

sagista hat geschrieben:
Leta hat geschrieben:Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:
Die Frage ist doch, was dich genau stört.
Stört es dich, weil du Muslime und/oder Menschen aus Afrika nicht in deiner Nähe haben willst?
Das denke ich mal, so wie ich dich bislang hier im Forum erlebt habe, eher nicht.

Oder hast du Sorgen, dass da möglicherweise Leute dabei sind, die Schlechtes im Schilde führen oder die aufgrund erlittender Traumatisierungen möglicherweise unberechenbar sind?
Ein weiterer Punkt ist ganz profaner Natur. Meine Bude wird mit einem Flüchtlingsheim daneben rapide an Wert verlieren. Die Idee ein Flüchtlingsheim in eine Gegend zu bauen in der der m² in einem Neubau ~3500€ Wert ist find ich "komisch".

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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Grinder » 19.07.2015 11:58

Leta hat geschrieben:
sagista hat geschrieben:
Leta hat geschrieben:Eigentlich versuche ich so tolerant und sozial zu sein wie es geht. Aber jetzt wollen sie in meinem "Hinterhof" ein neues Flüchtlingsheim bauen und ich ärgere mich über mich selber weil es mich stört. :rolleyes:
Die Frage ist doch, was dich genau stört.
Stört es dich, weil du Muslime und/oder Menschen aus Afrika nicht in deiner Nähe haben willst?
Das denke ich mal, so wie ich dich bislang hier im Forum erlebt habe, eher nicht.

Oder hast du Sorgen, dass da möglicherweise Leute dabei sind, die Schlechtes im Schilde führen oder die aufgrund erlittender Traumatisierungen möglicherweise unberechenbar sind?
Ein weiterer Punkt ist ganz profaner Natur. Meine Bude wird mit einem Flüchtlingsheim daneben rapide an Wert verlieren. Die Idee ein Flüchtlingsheim in eine Gegend zu bauen in der der m² in einem Neubau ~3500€ Wert ist find ich "komisch".
Na ja, die Heime nur in "günstigere" Gegenden zu bauen, ist auch keine Lösung...
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Djembo » 19.07.2015 12:06

Und was ist daran "komisch"? Das Argument verstehe ich immer nicht, weil dann die Häuser Wertverlust erleiden? Sankt Florian? Weil dann die armen Flüchtlinge immer auf die reichen Deutschen gucken müssen? Weil die den Frieden in der harmonischen Wohngegend stören?
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Alecto » 19.07.2015 12:23

IMHO verdient das Flüchtlingsthema allmählich einen eigenen Thread.
Djembo hat geschrieben:Und was ist daran "komisch"?
Es ist nicht besonders wirtschaftlich gedacht - insbesondere in Zeiten leerer Stadtkassen.
Müssen Gebäude/Grund erst von der Stadt aufgekauft werden, dann zahlt diese ohne Notwendigkeit einen hohen Preis. Befinden sich Gebäude/Grund bereits im Stadtbesitz, so könnte man durch private Veräußerung mehr Geld einnehmen um die klammen Finanzen aufzubessern und die Unterkunft auf billigeren Grund stellen. Flüchtlingsunterkünfte sind nicht auf eine exklusive Lage angewiesen.
Salix Lowanger hat geschrieben:Noch ne Frage zum Rezept, Alecto: Sind die 200°C Ober- und Unterhitze oder Umluft?
Das ist Ober-/Unterhitze. Bei Umluft würde ich die Temperatur etwas reduzieren.
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Djembo » 19.07.2015 12:35

Aber die "exklusive Lage" zeichnet sich oft durch 3 Dinge aus:
- dort ist Platz, ohne dass dadurch ein völlig zugebautes Gebiet entsteht
- es leben eh schon wenige Leute dort, so dass der entsprechende Stadtteil nicht zu eng gemacht wird und die entsprechende Nahversorgung hat normalerweise auch die Kapazitäten mit einem solchen Mehr an Menschen zurecht zu kommen UND die Anzahl der Protestierenden ist geringer
- Grund und Boden gehören (zumindest bei uns) sowieso der Stadt, so dass kein teurer Aufkauf geschehen muss

Aber Auslagerung klingt sinnvoll.
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Re: Wie geht's Euch grad 2?

Beitrag von Na'rat » 19.07.2015 13:00

Leta hat geschrieben:Ein weiterer Punkt ist ganz profaner Natur. Meine Bude wird mit einem Flüchtlingsheim daneben rapide an Wert verlieren. Die Idee ein Flüchtlingsheim in eine Gegend zu bauen in der der m² in einem Neubau ~3500€ Wert ist find ich "komisch".
3.500 EUR, +/- ein bisschen, sind stinknormale Neubaukosten bei mittleren Standard und das ist eher konservativ angesetzt. *schulterzuck* Da wird es, insbesondere in städtischen Gegenden, schwierig mit anderswo billiger bauen. Irgendwo in der Pampa spart man vielleicht die Grundstückskosten aber dafür zahlt man dann alles mögliche andere und dass dann als laufende Kosten.

Betrachtet man es mittel- bis langfristig, sollte man als Eigentümer eh, wird sich die Sache einrenken. Von den Flüchtlingen aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg, den russischen Spätaussiedlern oder den Heimatvertrieben (10-15 Millionen) sieht man ja kaum noch was.
Wenn sich die Sache verlaufen hat, kann man aus den 'Heimen' auch stinknormale Mietwohnungen machen.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Djembo » 19.07.2015 13:39

Übrigens lebe ich in einem Stadtteil, in dem in den 40ern und 50ern eines der größten Durchgangslager Norddeutschlands und mehrere weitere auch große Flüchtlingslager standen. Von der aktuellen Bevölkerung hier, abzüglich der Einwanderer (hier vornehmlich Russen und Türken und einige Tunesier), haben etwa 40 bis 50% Eltern oder Großeltern, die aus dem Osten stammen. Meine Oma kam aus der Nähe von Berlin, meine andere aus Ostpreußen, mein Opa kam auch aus Ostpreußen. Die Großeltern meiner Freundin stammen auch zu 75% aus Ostpreußen.
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Thargunitoth » 19.07.2015 17:18

Es stellt sich nur die Frage wie gut die Integration der Flüchtlinge und der Einwanderer in den nächsten Jahrzehnten gelingen wird... Ich bin da nicht so optimistisch.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Suilujian » 19.07.2015 17:50

Na ja, sagen wir es so: Integration ist keine Einbahnstrasse. Und momentan sehe ich das Hauptproblem vor allem beim Unwillen vieler Deutscher (und anderer Europäer, keine Frage), andere Menschen in unsere Gesellschaft(en) zu integrieren.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von bluedragon7 » 19.07.2015 18:34

Auch aus eigener Erfahrung: Einwanderer, zumal solche mit Job, werden wesentlich einfacher von der örtlichen Bevölkerung angenommen.

Es geht nunmal weniger um: "Der kommt aus X" als eher um: "Der kostet mein Steuergeld, weil Arbeitslos ist er natürlich kriminell, treibt u.a. die Grundstückspreise runter etc."

Hier in der Gegend hat es jede Menge Einwanderer (bzw Nachfahren von solchen) trotzdem sieht man das Aufnehmen von Flüchtlingen sehr ungern.
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Thargunitoth » 19.07.2015 19:48

Suilujian hat geschrieben:Na ja, sagen wir es so: Integration ist keine Einbahnstrasse. Und momentan sehe ich das Hauptproblem vor allem beim Unwillen vieler Deutscher (und anderer Europäer, keine Frage), andere Menschen in unsere Gesellschaft(en) zu integrieren.
Einerseits klares ja, Ausländer haben es definitiv schwerer in Deutschland Fuß zu fassen als Einheimische. Das kann allerdings nicht bis in alle Ewigkeit die Ausrede für mangelhafte Leistung und Ausruhen in der sozialen Hängematte sein. Ich bin auch weit davon entfernt das allen Ausländern zu unterstellen, allerdings müssen wir ganz genau darauf achten, dass sich keine Parallelgesellschaften bilden in denen es hip und cool ist leistungsunwillig zu sein und Sozialleistungen zu kassieren. Dass sich solche Aufbauen hat mMn wiederum definitiv mit beiden Seiten etwas zu tun.

Um zu zeigen, dass ein Aufstieg möglich ist, hoffe ich sehr, dass es in Deutschland bald genügend Lehrer und Menschen mit Vorbildcharakter gibt, die einen Migrationshintergrund haben, damit Ausreden wie "ich habe eh keine Chance, weil ich Ausländer bin" usw. entkräftet werden.

Andererseits benötigen wir natürlich auch eine Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund, die ermutigend wirkt und auch wirklich Hoffnung macht.

Und ich will es auch mal klar sagen: Je nach kulturellem Hintergrund ist das leichter oder schwerer. Gerade bei Muslimen kommt es mir so vor, als müsste in Deutschland erst ein sakulärer Islam entwickelt werden, dem sich die immigrierten Muslime zuordnen können, damit so eine funktionierende Integration stattfinden kann.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Djembo » 19.07.2015 20:39

Was auch schwierig ist, sind die ganz banales Dinge. Sprachkurse zum Beispiel. Ich kenne jemanden, der die in der Kirche anbietet und da 20 euro pro 45min nimmt (insgesammt, nicht pro Person), aber ansonsten wüsste ich niemanden, er zu solchen Tarifen, die sich diese Leute auch leisten können, arbeitet. Es gibt in einem anderen Stadtteil einen Ehrenamtlichen, der mit den Flüchtlingen zusammen Behördengänge macht. Einen. Von der Stadt aus gibt es natürlich auch solche Leute aber eben ziemlich wenige. Und über Behörden bekommt man Sprachkurse. Wenn die 52jährige, übergewichtigte, stark geschminkte und verdammt unfreundliche deutsche Beamte (kein Sarkasmus leider) dann aber sich nichtmal die Mühe macht, den Leuten den Google-Übersetzer vor die Nase zu halten um ihnen verständlich zu machen, wann wo und wie sie an Sprachkurse kommen können und mitten im "Gespräch" einen Rausschmiss abzieht weil es 17 Uhr ist und sie Schluss hat...
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von sagista » 19.07.2015 21:23

Ich denke, man sollte bei der Diskussion um Flüchtlinge nicht gleich eine Integrationsdebatte beginnen. Bei den Flüchtlingen ist es erst einmal prioritär, dass sie gut untergebracht und versorgt werden, auch medizinisch und psychologisch, und vor allem nicht von irgendwelchen Menschenfeinden angegriffen werden.

Bei Einwanderern oder Flüchtlingen, die zu Einwanderern werden, ist die Integration selbstverständlich notwendig, das ist vollkommen klar, ist aber meiner Meinung nach zunächst einmal ein anderes Thema. Grundsätzlich sollte die Hoffnung bestehen, dass Flüchtlinge in ihre, dann friedliche Heimat zurückkehren können. Je länger das jedoch dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus Flüchtlingen Einwanderer werden.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Varana » 19.07.2015 22:11

Dazu kommt eben auch, daß Flüchtlinge erstmal gar nicht anders können. Sie dürfen nicht arbeiten, sie haben Residenzpflicht, sie dürfen dies und das nicht, sie warten ewig auf die Bearbeitung ihrer Anträge - versuch dich da mal zu integrieren... Und wenn man Fortschritte macht, wird das von einer der obigen Vorschriften gerne mal torpediert, weil ein Beamter meint, sein Pedanterie-Konto auffüllen zu müssen.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Djembo » 19.07.2015 22:30

Das darf man nicht überbewerten. Residenzpflicht bedeutet nicht, dass sie ihr Haus nicht verlassen dürfen. Und die Sache mit der Integration ist extrem wichtig. Ein Dach über dem Kopf, was zu Essen und was zum Anziehen sind schnell organisiert und dann sitzten die Flüchtlinge rum und starren die Wand an. Dann kriegen sie ganz schnell einen Lagerkoller, fühlen sich abgelehnt und verachtet und daraus erwächst Wut. Und auf Wut folgt Gewalt. Oder sie gehen aktiv raus und suchen nach Möglichkeiten mit den Leuten in Kontakt zu kommen und finden auch Angebote für Kontakt, Gesprächsgruppen, Sportvereine, Sprachkurse, Hobbys, alles. Dann haben sie was zu tun, lernen Menschen kennen und fühlen sich vielleicht nicht als die besten Freunde von allen aber eben auch nicht als internierte Fremde die keiner will. Man muss eben nur Angebote machen, das beugt vielen Problemen vor.
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Talasha » 19.07.2015 22:47

Djembo hat geschrieben: Und die Sache mit der Integration ist extrem wichtig. Ein Dach über dem Kopf, was zu Essen und was zum Anziehen sind schnell organisiert und dann sitzten die Flüchtlinge rum und starren die Wand an. Dann kriegen sie ganz schnell einen Lagerkoller, fühlen sich abgelehnt und verachtet und daraus erwächst Wut.
Da gab es doch mal so eine Stadt(Schwäbisch Gmünd) die ihre Asylbewerber oder Flüchtlinge einfach als Kofferträger usw. eingesetzt, gut für einen rein symbolischen Lohn, aber die Leute hat es gefallen. Die einen hatten Hilfe mit den Koffern, die anderen etwas zu tun, Ansprache und auch ein bisschen Geld. Leider wurde das dann beendet weil Sklavenarbeit und so weiter.
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von sagista » 20.07.2015 06:47

@ Djembo:
Ich stimme dir weitestgehend zu, dass mehr getan werden muss, als die Flüchtlinge nur "aufzubewahren". Auch halte ich es für fragwürdig, warum Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, selbst wenn sie wollten und könnten (ist natürlich nicht so einfach, da es in den meisten Fällen zumindest Sprachprobleme geben dürfte; deutsch ist ja nun als Weltsprache nicht gerade verbreitet).

Wo ich allerdings einhaken möchte ist, dass, genau wie Gewalt gegen Flüchtlinge grundsätzlich abzulehnen ist, natürlich auch Gewalt unter Flüchtlingen oder von Flüchtlingen gegen Einheimische vollkommen inakzeptabel ist, selbst wenn es keine Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Außerdem senkt das die Toleranz erheblich nach dem Motto "Toll, wir nehmen sie auf und zum Dank hauen sie uns auf die Fresse". Ja, da ist es, das "sie", auch wenn es nur einer war, aber das Verständnis sinkt dramatisch, wenn sich die Langeweile der Flüchtlinge Bahnen bricht. Ich möchte jetzt garnicht irgendwelche links über Vorkommnisse bringen, erfahrungsgemäß verschärfen solche Diskussion nur überflüssig, möchte aber ganz explizit festhalten, dass Kriminalität durch Flüchtlinge wesentlich mehr Schaden anrichtet als die Straftat an sich, auch wenn es i.d.R. Einzelfälle sind. Sie steigern jedoch die oben skizzierte Unsicherheit gewaltig.

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von Djembo » 20.07.2015 09:02

Ich wüsste allerdings nicht, was man da tun könnte. Denn Idioten gibt es immer und überal und ein Idiot der gerne mal ein bisschen Ärger machen will, der findet auch einen Weg.
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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von myrkur » 20.07.2015 11:03

Djembo hat geschrieben:Ich wüsste allerdings nicht, was man da tun könnte. Denn Idioten gibt es immer und überal und ein Idiot der gerne mal ein bisschen Ärger machen will, der findet auch einen Weg.
Das schon, aber es macht halt einen Unterschied, ob das Idioten sind, die Idioten sind, weil sie nunmal Idioten sind, oder ob es Leute sind die normalerweise keine Idioten sind und auf Grund der Umstände auf idiotische Ideen kommen und dadurch als Idiot in Erscheinung.
Letztere Gruppe könnte man durch Verbesserung der Umstände durchaus auch auf bessere Ideen bringen.

Das ändert freilich nichts daran, dass die immer noch vorhandenen a priori Idioten vermutlich weiterhin ausreichen um in der Öffentlichkeit ein negatives Bild zu befeuern, aber lokal betrachtet, kann das für die einzelne Unterkunft schon nen gewaltigen Unterschied ausmachen, wenn die a priori Idioten vielleicht nur in einer anderen Unterkunft vorkommen aber nicht im Asylantenheim in der Nachbarschaft.
Persönliche Erfahrung schlägt, wo sie nicht von brauner Verblendung maskiert wird, oft die Darstellung in der Presse.

Insofern sollte man meiner Meinung nach daraus keine Tatenlosigkeit ableiten, nur weil man mit den möglichen Maßnahmen keinen hunderprozentigen Erfolg erzielen kann.
Hundertprozentig ist im Leben nix, davon lassen wir uns aber sonst auch nicht abhalten.
(Und diese Begründung einer Haltung der Tatenlosigkeit kann man, finde ich, aus deinem Beitrag ableiten. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich dir nicht unterstelle, dass das eine Intention gewesen wäre. )

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Re: Flüchtlingsthread

Beitrag von sagista » 25.07.2015 02:15

Heute wurde mir auf der Arbeit von einem, ansonsten sehr geschätzten Kollegen dieses Wahlplakat der CSU aus der Nachkriegszeit geschickt mit der Intention, die CSU als hartherzigen Haufen darzustellen, versehen mit dem Hinweis, dass wir es ja damals auch geschafft hätten.

Ich finde diesen Vergleich einigermaßen unpassend und auch ein Stückweit weltfremd, auch wenn ich ihn schon mehrfach im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte gehört habe. Meiner Meinung nach kann man das überhaupt nicht miteinander vergleichen, weil die einen, die Vertriebenen, erstens die Konsequenzen der Politik der eigenen ehemaligen Regierung zu spüren bekamen und innerhalb ihres Landes auf der Flucht waren, während die anderen, die heutigen Flüchtlinge ihre Länder oder gar ihre Kontinente verlassen. Die Aufnahme erforderte natürlich für die, die die Vertriebenen aufnahmen, ein hohes Maß an Opferbereitschaft und das war von sehr vielen Konflikten begleitet. Wahrscheinlich kennen viele entsprechende Geschichten aus ihrer Verwandschaft. Aber das kann man doch mit den aktuellen Flüchtlingsbewegungen nicht vergleichen, oder sehe ich das falsch?

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